{"id":314,"date":"2021-12-01T09:36:48","date_gmt":"2021-12-01T08:36:48","guid":{"rendered":"https:\/\/kathrin-schultz.de\/?p=314"},"modified":"2023-10-22T13:29:52","modified_gmt":"2023-10-22T11:29:52","slug":"vom-schreiben-und-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kathrin-schultz.de\/?p=314","title":{"rendered":"&#8222;Vom Schreiben &#038; der Zeit&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8230; <em>entstanden im Rahmen des Fernstudiums<\/em> <a href=\"https:\/\/www.schule-des-schreibens.de\">SCHULE DES SCHREIBENS<\/a>, Oktober 2023&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Gro\u00dfmutter arbeitete im Kulturbund. In den Sommerferien &#8217;87 nahm sie mich mit ins B\u00fcro. Dort roch es nach staubigen Akten und gebohnertem DDR-Linoleum. Es gab Sandkekse und Tee. Igitt! Aber im Vorzimmer stand eine wuchtige, schwarze Schreibmaschine. Ich brach mir fast die Finger bei dem Versuch, erste Buchstaben auf holzige Schmierbl\u00e4tter zu drucken. Eine L\u00f6schtaste? Fehlanzeige. Doch ich \u00fcbte und \u00fcbte. Und so verflogen diese Ferien, in denen meine Oma keinen Urlaub bekam, wie im Flug. Im Zwei-Finger-Adler-Suchsystem hatte ich mein erstes Manuskript getippt, ganz akkurat, fast ohne Fehlerteufelchen. <\/p>\n\n\n\n<p>Als 7-j\u00e4hrige war ich stolz wie Alfons Zitterbacke, Held meiner Kindheit, der Zahnpasta a\u00df, um Astronaut zu werden. <em>Heldinnen <\/em>lernte ich erst sp\u00e4ter kennen. Andere alleinerziehende M\u00fctter etwa, wie ich eine bin; die 30 Jahre sp\u00e4ter, um im Slang meiner Wahlheimat Berlin zu sprechen, erneut <em>stolz ist wie Bolle <\/em>und zwar auf die Ver\u00f6ffentlichung ihrer ersten queeren Kinderbuch-Serie im Epubli-Verlag.<\/p>\n\n\n\n<p>Ge\u00e4rgert habe ich mich trotzdem. \u00dcber mich selbst, \u00fcber Corona, \u00fcber meine Herkunftsfamilie, meine Ex-Chefin oder Putin &amp; Konsorten, \u00fcber das Lebens allgemein. Denn meine Kinder sind l\u00e4ngst dem Baby-Schaf-Alter entwachsen, dachte ich. \u201eDu schreibst B\u00fccher?\u201c, fragte stattdessen meine Tochter begeistert. Was ich nicht auf dem Schirm hatte: Bruder und Schwester sind jetzt im Erstlese-Alter, machten es sich auf dem Sofa gem\u00fctlich und lasen sich meine Werke gegenseitig vor!<\/p>\n\n\n\n<p>Geboren 1979 in MeckPomm, mit anspruchsvollem Job im Sozialen Bereich und vielerlei Hobbies: Musik, Film, Politik &#8211; da kam nie Langeweile auf, und so sa\u00df ich selten, wie unsere Nachbarin Frau S., am Fenster und schaute den Ahornb\u00e4umen im Hof beim Wachsen zu.<\/p>\n\n\n\n<p>Bis zum Burnout letztes Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach langer Krankschreibung, Jobwechsel, Wohnungstausch und anderen positiven Ver\u00e4nderungen in meinem Leben hat der Optimismus mich zur\u00fcck erobert. Oder andersherum?<\/p>\n\n\n\n<p>Komplett ver\u00e4ndert habe ich mich nicht. Auch sind viele Herausforderungen, beruflich wie privat, geblieben. Vor allem in punkto Schreiben. Und das, obwohl schon meine Gro\u00dfmutter in Literaturzirkeln sa\u00df sowie andere Familienmitglieder schreiben. Das richtige Handwerkszeug haben wir alle nie gelernt, aufgrund meist fehlender Zeitressourcen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das m\u00f6chte ich \u00e4ndern. Erneut. Den ersten Fernkurs belegte ich nach der Geburt meiner Tochter 2017. Der Kinderliteratur bleibe ich treu, arbeite aktuell zusammen mit einem befreundeten Grafiker an einem Text \u00fcber FUSSI, das garstig-liebenswerte Fusselfresserchen, das unter unserem Familiensofa haust und Alltagsgegenst\u00e4nde stibitzt \u2013 in der Hoffnung, meinen Kinder diese Ver\u00f6ffentlichung noch vor dem Jugendalter zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Haupts\u00e4chlich jedoch schreibe ich f\u00fcr mich. Berufung? Notwendigkeit? Ein Ausgleich mindestens zum Alltagsleben. Mein geliebtes Hamsterrad. Und w\u00fcrde ich behaupten, B\u00fccher mit eigener ISBN druckfrisch in den H\u00e4nden zu halten, sei dabei zweitrangig, w\u00fcrde ich flunkern. Selbstverlag hin oder her.<\/p>\n\n\n\n<p>Und so begebe ich mich erneut auf die Suche: Nach meinem Schreibstil, nach neuen Genres, nach alten. Die antiquierte Schreibmaschine ist einem Laptop gewichen mit automatischer Rechtschreibpr\u00fcfung, Internet-Zugang und perfektioniertem Zehn-Finger-System. Und w\u00e4hrend meine Tochter ihre erste Detektiv-Geschichte in mein brandneues Notizbuch pinselt, mit Zunge raus, probt der Junge auf dem Wohnzimmerteppich einen Aufstand von Lego-Figuren gegen Riesenpl\u00fcschtiere. An Phantasie mangelt es nicht in dieser Familie.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrenddessen sitze ich an meinem Sekret\u00e4r, ohne eigenes Arbeitszimmer, aber ich mag dieses Schreiben im Get\u00fcmmel, falls die Kinder nicht bei den eigenen Gro\u00dfeltern, bei der Zweitmutter oder beim Vater sind. <\/p>\n\n\n\n<p>Die letzte Korrektur meiner ersten Schreibaufgabe f\u00fcrs zweite Fernstudium schaffe ich so gerade noch rechtzeitig. Meine Gro\u00dfmutter schaut mir wohlwollend-kritisch \u00fcber die Schulter dabei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8230; entstanden im Rahmen des Fernstudiums SCHULE DES SCHREIBENS, Oktober 2023&#8230; Meine Gro\u00dfmutter arbeitete im Kulturbund. In den Sommerferien &#8217;87 nahm sie mich mit ins B\u00fcro. 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